Freiwillige Amputation - Motivation, Folgen und Konsequenzen

Eine theoretische Abhandlung über die gesellschaftlichen Folgen einer freiwilligen Amputation


Für viele Menschen ist der Gedanke, ein Körperteil zu verlieren ein Horrortripp, weshalb sich die meisten Menschen überhaupt nicht mit dieser Eventualität herumschlagen. Man wünscht so etwas niemandem, nicht mal seinem schlimmsten Feind - doch wie sieht das aus, wenn sich jemand das selbst wünscht ? Ein Mensch, der noch nie mit einer derartigen Neigung konfrontiert wurde würde jetzt vielleicht sagen "Der hat sie nicht mehr alle auf dem Christbaum". Doch im Digicht des Internets trifft man ab und an auf solche "Spinner".

Die Ursachen eines "kranken" Wunsches

Stellen wir uns zunächst mal die Frage "Woher kommt der Wunsch sich amputieren zu lassen ?" Nach einer Amputation ist man behindert und hat jede Menge Nachteile im alltäglichen Leben. Man ist stets auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen und ist im allgemeinen Ästhetikempfinden nicht schön. Abgesehen davon hat man es schwerer einen Partner zu finden. Man könnte eine ganze Latte von Nachteilen aufzählen, die einem konventionell denkenden Menschen erst gar nicht auf die Idee bringen würden, sich ein Körperteil amputieren zu lassen.
Ich gehöre zwar zu den Menschen, die (auch) auf amputierte Frauen stehen (das "auch" deutet an, daß ich auch durchaus eine brauchbare Beziehung mit einer Frau mit einem vollen Satz Gliedmaßen führen kann) und fehlende Gliedmaßen attraktiv finden, jedoch  gehöre ich im Normalfall nicht zu denen, die selbst den Wunsch haben, amputiert zu sein. Dennoch fasziniert mich der Gedanke hin und wieder, ja ich finde diesen Gedanken auch zeitweise durchaus erregend. In meinem Fall handelt es sich hierbei um einen reinen Forschertrieb mit sexuellen Motiven. Die Frage, wie man sich ohne Beine fühlt beschäftigt mich und ich würde, wenn dies möglich wäre, zumindest zeitweise zum Amputierten machen, oder noch besser, zu einer amputierten Frau. Doch die Konsequenzen einer Amputation wäre für mich und mein Leben nicht erträglich, weshalb diies für mich nur eine Illusion bleiben wird, so hoffe ich zumindest.
Über die wirklichen Ursachen kann man nur spekulieren. Meine Standarderklärung ist eine Fehlschaltung im Gehirn, eine Kreuzung zweier instinktiven Reaktionsschemen, die völlig verschiedene Aufgaben haben zu einem neuen Reaktionsschema. Meine Vorliebe für Amputationen ist das eine Schema, das eine gewisse Reaktion in meinem Körper hervorruft (in meinem Fall eine sexuelle Erregung und daraus resultierend ein ästhetisches Empfinden für das dargebotene optische Bild). Das andere Schema ist der tief in uns verankerte Wunsch, attraktiv zu sein, der seine Ursachen in einer erleichterten Partnerwahl hat. Durch z.B. zu viele synaptische Verbindungen vom einen zum anderen  Reizzentrum könnten die Reize übersprechen und vom Neocortex (Großhirnrinde) zu einem neuen Reaktionsschema verknüft werden: Der Gedanke an eine Amputation versetzt einen in Erregung. Zugegeben, die Theorie ist vage und sicher nur eine mögliche Erklärung des Phänomens, aber zumindest läßt sie einen nicht im dunkeln hängen. Der Ansatz meiner Gedankeen ist durchaus plausibel, denn schon Pavlow hat in seinem berühmten Hundeexperiment die Kopplung zweier völlig unabhängigen Reize nachgewiesen. Natürlich ist die Verbindung in unserem Falle weitaus komplexer. Stellt sich noch die Frage, nur um einen Kreisschluß zu bekommen, woher die sexuelle Erregung beim Anblick einer amputierten Frau kommt. Nun, dies erkläre ich genau so.
Natürlich läßt sich nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nichts von dem gesagten verifizieren, geschweige denn beweisen. Doch das braucht es meiner Meinung nach auch nicht, denn ich gebe mich mit meiner Erklärung zufrieden und möchte nicht auf den Fortschritt der Gehirnforschung warten (mal abgesehen davon, daß ich der Meinung bin, daß ein Gehirn sich selbst ohnehin nicht verstehen kann).

Die Entscheidung es zu tun

Wer jahrelang von einem Wunsch besessen ist, der möchte sich deisen auch gerne erfüllen. Doch in unserem Falle scheint dies ein gar schwieriges Problem zu sein. Auf saubere, ungefährliche Art und Weise Gliedmaßen zu verlieren ist zuverlässig nur in einem Operationssaal unter sterilen Bedingungen möglich. Doch ein Chirurg und ein geeigneter Raum mußerst gefunden werden. Welcher Arzt ist bereit, einem gesunden Menschen ein Bein oder einen Arm zu amputieren ? In Deutschland würde ein solches Vorgehen sofort Probleme mit der Ärztekammer und dem Staatsanwalt mit sich bringen und ich bin mir sicher, daß es in anderen Industrienationen nicht anders ist. Viele überlegen sich die Inszenierung eines Unfalls oder ähnliches. Doch die möglichen Folgen schrecken viele davon ab, es wirklich zu tun.
Was bleiben also für Alternativen ? Nun, man hötrt Gerüchte von russischen Ärzten in Geldnot, die einen solchen Eingriff vornehmen würden. Ich persönlich halte dies für Seemansgarn, doch meine Hand würde ich dafür nicht ins Feuer legen. In Russland ist vieles möglich und in der Not ....
Angenommen man hat sich wirklich entschieden und eine Möglichkeit gefunden, es zu tun. Zieht man es durch oder schreckt man in allerletzter Sekunde davor zurück ? Ein echter "wannabe" würde wahrscheinlich ohne nachzudenken die Möglichkeit nutzen, aber ich glaube, daß viele zweimal darüber nachdenken würden., ob sie ihr ganzes restliches Leben mit einer Behinderung verbringen möchten.

Was sollen die Nachbarn denken

Ich gebe nicht viel auf die Meinung andere Menschen, sofern sie mir nichts bedeuten. Doch leider denken fast 80 % der Bevölkerung anders. Ansehen wird in vielen Lebensbereichen in unserer Gesellschaft groß geschrieben. Angenommen, man entscheidet sich wirklich für eine freiwillige Amputation und findet tatsächlich eine Möglichkeit. Wird man von seinem Umfeld dann in seinem neuen Körper akzeptiert ? Sicher nicht und wenn man in einem solchen Fall nicht die Kraft hat, der Meinung anderer zu trotzen, wird man es schwer haben. Hinzu kommt, daß man als behinderter Mensch von anderen mehr abhängig ist, als ohne Behinderung. Es wird schwer sein, Mitmenschen zu finden, die bereit sind jemanden, der sich selbst verstümmelt hat, zu unterstützen. Man wird dann auch recht bald feststellen, daß sich im eigenen Freundeskreis die Spreu vom Weizen trennt. Wer wie ich pflegt, keinem Freund zu trauen und vor allem keinen besten Freund zu haben, der wird bald sehr einsam sein. Gut, wenn man einen Partner fürs Leben findet, mag dies anders aussehen. Doch hierzu kann ich nur sagen, daß ich die Suche nach einem Partner fürs Leben aufgegeben habe. Ich glaube nicht daran und wurde in meiner Meinung durch Erfahrungen bestärkt.
Wie das Weiterleben nach einer freiwilligen Amputation aussieht ist also fragwürdig. Akzeptieren werden dies nur die wenigsten und man wird sich wohl auf grobe Konflikte vorbereiten müssen.

Wie geht es im Beruf weiter

Es ist nun mal ein Fakt, daß die meisten Menschen arbeiten müssen um zu überleben. Wenn man genügend finanziellen Background hat, dann ist das kein allzugroßes Problem, abgesehen von den ehtischen Gesichtspunkten, daß man seinen Teil des Dienstes an der Gesellschaft nicht mehr ausüben kann. Wer jedoch so viel Geld hat, daß er nicht arbeiten muß, der lebt ohnehin auf "Kosten" anderer. Mit Kosten meine ich hier nicht Kosten im Sinne von einer meßbaren Währung, sondern im Sinne von Arbeitsleistung. Leider ist dies ein Trend, der sich immer weiter fortsetzt, denn immer mehr Menschen streben maximalen Wohlstand bei immer weniger Arbeit an. Dies wird, so meine ich, unserer Gesellschaft irgendwann einmal das Genick brechen - aber das soll nicht Gegenstand dieses Artikels sein.
Wie verdient man aber als "normaler" Arbeitnehmer seine Brötchen ? Wenn man mit einer Behinderung seinen bisherigen Beruf weiter ausüben kann, dann ist dies kein weiterer Stolperstein. Wenn es aber unmöglich wird, diesen Beruf auszuüben, dann ist man entweder gehalten, sich einen neuen Beruf zu suchen oder auf Kosten des Staates zu leben. Ersteres gestaltet sich schwierig, denn die Akzeptanz von Behinderten Menschen im Berufsleben ist noch nicht das Non plus Ultra. Letzteres ist noch fragwürdiger, denn dies ist in meinen Augen ein nicht akzeptables Sozialschmarotzertum, denn immerhin ist man ja nicht durch einn Unfall oder eine Krankheit arbeitsunfähig geworden, sondern durch eigenes "Verschulden", also quasi mutwillig.
Man kann, was diesen Abschnitt anbelangt, geteilter Meinung sein. Ich bin ein Mensch mit sozialem Gewissen, auch wenn ich zu meiner Schande gestehen muß, daß ich diesbezüglich nicht immer konsequent war. Nicht daß mir unsere Gesellschaft gefällt ! Nein, aber wir sind auf diese Gesellschaft angewiesen und die Gesellschaft auf uns. Man kann auf einzelne Mitglieder der Gesellschaft verzichten, doch wohin würde das führen, wenn jeder so denken würde ?

Wenn man seine Behinderung satt hat

Auch wenn der Wunsch nach einer Amputation noch so stark ist - ich glaube, daß es nur in den ersten Monaten aufregend ist. Der Alltag holt einen recht rasch wieder ein und ich glaube, daß man irgendwann an den Punkt gelangt an dem man seinen Schritt bereuht. Man hat diesen Schritt gewagt und würde ihn am liebsten rückgängig machen. Doch dazu ist es zu spät. Ich kann mir nicht vorstellen, daß man als behinderter Mensch ein Leben lang mit seiner Behinderung zufrieden ist, auch wenn man sie gewollt und absichtlich herbeigeführt hat. Ich denke, daß ein echter "wannabe" von seinem Traum so versessen ist, daß er sich über die Konsequenzen keine Gedanken macht. Wenn man jedoch nach einign Jahren merkt, daß man Bockmist gebaut hat, denke ich, daß man andere Träume hat, die man letztendlich kritischer sieht.

Ergo

Wer sich unbedingt verstümmeln lassen möchte, der soll dieses gerne tun. Ich bin jedenfalls nicht bereit, jemanden dabei zu unterstützen. Doch bevor man zum Chirurgen geht, sollte man sich über die persönlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen Gedanken machen.
Wenn ich aus einer sexuellen Lust heraus eine Frau vergewaltige, dann mache ich mich strafbar. Wohl kein vernünftiger Mensch wird mir widersprechen, daß Vergewaltigung dem Opfer einen großen Schaden zuführt. Wenn ich mich amputieren lasse, dann füge ich mit einer großen Wahrscheinlichkeit anderen Menschen einen Schaden zu. Wer das nicht möchte, der soll überlegen, bevor er handelt.
 

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